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Borneo-Krokodil

Informationen zur Krokodilart

Ein Leistenkrokodil, diese Art ist dem Borneo-Krokodil optisch sehr ähnlich

Systematik:
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Krokodile (Crocodilia)
Familie: Echte Krokodile (Crocodylidae)
Gattung: Crocodylus
Art: Crocodylus raninus (Borneo-Krokodil)

Lateinischer Name:
Crocodylus raninus

Aussehen

Das Borneo-Krokodil (Crocodylus raninus), auch als Bornekrokodil bekannt, ist ein mittelgroßes bis großes Krokodil, das eine Länge von bis zu 4 Metern erreichen kann. Es hat einen robusten Körperbau mit einer relativ breiten Schnauze, die es von anderen Krokodilarten unterscheidet. Der Kopf ist flach und kräftig, mit großen, scharfen Zähnen, die an die Jagd auf eine Vielzahl von Beutetieren angepasst sind.

Die Haut dieses Krokodils ist dunkelbraun bis olivfarben gefärbt, mit einer eher gleichmäßigen Färbung, die es von anderen Arten wie dem Leistenkrokodil unterscheidet. Auf der Oberseite des Körpers können schwache dunkle Querbänder sichtbar sein, die bei Jungtieren deutlicher ausgeprägt sind. Diese Tarnmusterung hilft dem Tier, in seinem Lebensraum unentdeckt zu bleiben.

Der Rücken ist mit großen, knöchernen Schuppen, den sogenannten Osteodermen, gepanzert, die Schutz vor Fressfeinden und Verletzungen bieten. Der Bauch ist heller gefärbt und weniger stark gepanzert, was die Flexibilität des Tieres erhöht. Die kräftigen Beine sind mit scharfen Krallen ausgestattet, die es ihm ermöglichen, sich an Land effizient zu bewegen.

Esl weist im Vergleich zum Leistenkrokodil kleinere Schädelproportionen und subtile Unterschiede in der Schuppenanordnung auf. Diese Merkmale wurden erst durch genetische und morphologische Untersuchungen als deutlich unterscheidend erkannt, was zur Anerkennung des Borneo-Krokodils als eigene Art führte.

Verbreitungsgebiet

Das Borneo-Krokodil (Crocodylus raninus) ist endemisch auf der Insel Borneo und kommt in den malaysischen Bundesstaaten Sabah und Sarawak sowie im indonesischen Teil Kalimantan vor. Es ist vor allem in Süßwasserlebensräumen anzutreffen und meidet Brackwasserzonen, in denen häufig das ähnliche Leistenkrokodil zu finden ist.

Typische Lebensräume des Borneo-Krokodils sind Flüsse, Seen, Sümpfe und Mangrovengebiete. Besonders häufig wird es in ruhigen Gewässern mit dichter Vegetation beobachtet, die ihm Schutz und Nahrung bieten. Aufgrund der fortschreitenden Entwaldung und der zunehmenden menschlichen Besiedlung ist sein Verbreitungsgebiet jedoch fragmentiert.

Die genauen Grenzen seines Verbreitungsgebiets und die Verteilung innerhalb Borneos sind noch nicht vollständig erforscht, da es lange Zeit als Unterart oder Synonym des Leistenkrokodils galt. Neuere genetische Studien bestätigen jedoch seine eigenständige Verbreitung.

Lebensraum

Das Borneo-Krokodil lebt vorwiegend in Süßwasserhabitaten und ist an eine Vielzahl von aquatischen Lebensräumen angepasst. Zu seinen bevorzugten Habitaten gehören:

  • Langsam fließende Flüsse und Bäche
  • Seen und Lagunen
  • Sumpfgebiete und überflutete Wälder
  • Mangrovengebiete, jedoch weniger häufig als das Leistenkrokodil

Es benötigt ruhige Gewässer mit dichter Vegetation, die Schutz und Versteckmöglichkeiten bieten. Besonders in überfluteten Wäldern während der Regenzeit findet das Borneo-Krokodil ideale Bedingungen vor, da diese Gebiete reich an Beutetieren wie Fischen und Amphibien sind.

Während der Trockenzeit zieht es sich häufig in tiefere Gewässer zurück, wo es besser vor Austrocknung geschützt ist. Menschliche Aktivitäten wie Entwaldung und landwirtschaftliche Nutzung haben jedoch viele seiner natürlichen Lebensräume zerstört, was das Borneo-Krokodil in einigen Regionen seiner Heimat bedroht.

Verhalten

Das Borneo-Krokodil ist eine scheue und zurückhaltende Art, die sich meist unauffällig verhält. Es verbringt den Großteil seines Lebens in oder nahe am Wasser und ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber sucht es oft Schutz in dichter Vegetation oder unter Wasser, um der Hitze zu entgehen.

Jagdverhalten:
Das Borneo-Krokodil ist ein opportunistischer Jäger. Es lauert seiner Beute auf, während es regungslos im Wasser oder am Ufer liegt. Sobald ein Beutetier in Reichweite kommt, greift es blitzschnell zu. Die Beute wird mit den kräftigen Kiefern gepackt und oft durch Schütteln und Drehen getötet, bevor sie verschlungen wird.

Territorialität:
Die männlichen Krokodile sind territorial und verteidigen bevorzugte Bereiche in Flüssen oder Seen gegen Rivalen. Dabei können sie aggressives Verhalten zeigen, besonders während der Paarungszeit.

Defensives Verhalten:
Es gilt als weniger aggressiv gegenüber Menschen als das Leistenkrokodil, sucht jedoch bei Bedrohung rasch die Flucht ins Wasser. Sollte es in die Enge getrieben werden, zeigt es typische Verteidigungsstrategien wie lautes Zischen, Schwanzschlagen und gelegentlich Angriffsversuche.

Ernährung

Das Borneo-Krokodil ist ein Fleischfresser und ernährt sich opportunistisch von einer Vielzahl von Beutetieren. Zu seiner Hauptnahrung gehören:

  • Fische: Sie stellen eine bedeutende Nahrungsquelle dar, insbesondere in Flüssen und Seen.
  • Amphibien: Frösche und Kaulquappen werden häufig gefressen, besonders in Regenzeiten.
  • Reptilien: Kleinere Echsen und gelegentlich andere Krokodile gehören ebenfalls zum Speiseplan.
  • Säugetiere: Nagetiere und andere kleine Säugetiere werden erbeutet, wenn sie ans Wasser kommen.
  • Vögel: Wasservögel, die in der Nähe von Flussufern leben, können ebenfalls Beute sein.

Junge Borneo-Krokodile ernähren sich hauptsächlich von Insekten, kleinen Fischen und Amphibien, während größere Individuen auch größere Beutetiere jagen können. Die Jagd erfolgt durch Lauerstellung, bei der das Krokodil nahezu bewegungslos im Wasser liegt und blitzschnell zuschlägt, sobald sich ein Beutetier nähert.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung dieses Krokodils findet in der Regenzeit statt, wenn die Wasserstände steigen und geeignete Nistplätze verfügbar sind. Männchen zeigen in dieser Zeit territoriales Verhalten und kämpfen um die Paarung mit Weibchen.

Das Weibchen baut ein Nest aus Pflanzenmaterial und Erde in Ufernähe und legt dort 20 bis 50 Eier ab. Die Brutzeit beträgt etwa 80 bis 90 Tage, wobei die Temperatur im Nest das Geschlecht der Jungtiere beeinflusst. Höhere Temperaturen begünstigen die Entwicklung von Männchen, während niedrigere Temperaturen Weibchen fördern.

Nach dem Schlüpfen hilft das Weibchen den Jungtieren, das Nest zu verlassen, und bewacht sie für einige Wochen. Trotz dieser Schutzmaßnahmen sind die Jungtiere anfällig für Fressfeinde wie Vögel, Warane und größere Fische.

Natürliche Feinde

Das Borneo-Krokodil (Crocodylus raninus) hat als ausgewachsenes Tier nur wenige natürliche Feinde, da seine Größe und robuste Panzerung es vor den meisten Raubtieren schützt. Dennoch sind Eier und Jungtiere besonders anfällig für Fressfeinde, die in ihrem Lebensraum zahlreich vorhanden sind.

Hauptfeinde:

  • Vögel: Raubvögel wie Adler und Reiher können die Nester plündern oder Jungtiere erbeuten.
  • Säugetiere: Raubtiere wie Otter, Wildschweine und kleinere Katzenarten sind bekannt dafür, Eier und Jungkrokodile anzugreifen.
  • Reptilien: Größere Echsen wie Warane und auch andere Krokodilarten stellen eine Bedrohung dar, insbesondere für frisch geschlüpfte Jungtiere.
  • Fische: In den Gewässern Borneos gibt es große Raubfische wie Welse, die Jungtiere attackieren können.

Schutzstrategien:
Das Weibchen des Borneo-Krokodils bewacht das Nest während der Brutzeit und schützt die Jungtiere nach dem Schlüpfen für einige Wochen vor Fressfeinden. Die Tarnfärbung der Jungtiere hilft ihnen, sich vor Angreifern zu verstecken, während adulte Tiere durch ihre kräftige Panzerung und ihre defensive Natur weitgehend vor Angriffen geschützt sind.

Gefährdung

Das Borneo-Krokodil ist durch Lebensraumverlust, Jagd und die Konkurrenz mit dem Leistenkrokodil bedroht. Entwaldung und landwirtschaftliche Nutzung haben viele seiner natürlichen Lebensräume zerstört, und Wilderei für Fleisch und Leder stellen zusätzliche Gefahren dar.

Es wird vermutet, dass das Borneo-Krokodil in weiten Teilen seines Verbreitungsgebiets rückläufig ist. Schutzmaßnahmen wie die Einrichtung von Schutzgebieten und Aufklärungsprogramme sind notwendig, um das Überleben dieser Art langfristig zu sichern.

Lebenserwartung

Das Borneo-Krokodil (Crocodylus raninus) hat eine geschätzte Lebenserwartung von 50 bis 70 Jahren, was typisch für Krokodile ist. In freier Wildbahn hängt die tatsächliche Lebenserwartung stark von den Umweltbedingungen, der Verfügbarkeit von Nahrung und dem Schutz vor Bedrohungen ab.

Junge Krokodile sind besonders gefährdet und haben eine hohe Sterblichkeitsrate, da sie häufig Fressfeinden zum Opfer fallen. Die wenigen Individuen, die das Erwachsenenalter erreichen, haben jedoch eine deutlich höhere Überlebenswahrscheinlichkeit.

In Gefangenschaft kann das Borneo-Krokodil ein Alter von über 70 Jahren erreichen. Optimale Bedingungen, wie ein konstanter Zugang zu Nahrung, Schutz vor Fressfeinden und medizinische Versorgung, tragen dazu bei, dass Tiere in Zoos und Schutzgebieten länger leben als ihre wilden Artgenossen.

Zoos in Deutschland

Das Borneo-Krokodil ist eine wenig erforschte Krokodilart, die hauptsächlich auf der Insel Borneo vorkommt. In deutschen Zoos ist diese Art nicht vertreten.


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